Ein lebendiges Stück Vergangenheit
Die Burg von Labastide entstand im 11. Jh. zur strategischen Kontrolle des Übergangs über den Pont d'Arc (der damals noch eine - mit Maultieren passierbare - Naturbrücke war). Sie gehörte der damals bedeutenden Familie der von Roure. Während des hundertjährigen Krieges entstand das Dorf, das sich urpsrünglich an die Südmauer der Burg anlehnte: Wenn Gefahr drohte, konnten die Bauern mitsamt ihrem Kleinvieh in der Burg Schutz finden. Während des 16.Jahrhunderts und bis zur Widerrufung des Ediktes von Nantes war die Familie (und damit auch die Burg) reformiert. Darum präsentiert die Ausstellung in der Burg interessante Einblicke in die Hugenottengeschichte der Region. Darüber hinaus besteht eine Seidenraupenzucht, weil seit dem 17.Jh. die Protestanten zu den "Herren der Seide" wurden. Der Geschichte der Seidenverarbeitung wird von den handwerklichen Anfängen bis zur industriellen Technisierung nachgegangen. Intensive Restaurationsarbeiten in den vergangenen Jahren haben es ermöglicht, die Burg hinter die im Jahr 1629 von König Ludwig XIII angeordneten Verstümmelungen von Türmen und Verteidigungseinrichtungen zurück zu restaurieren. Die Leidenschaft des Burgherrn für seine Burg führte zu verschiedenen "Attraktionen" wie dem "Burggespenst" und den (wieder zum Laufen gebrachten!) Seidenverabeitungsmaschinen aus dem 19.Jh. Im Jahr 2017 konnte der ca.6m hohe Nachbau (im Maßstab 1:3) einer mittelalterlichen Wurfmaschine (französisch: Trébuchet) zum (allerdings sehr friedlichen!) Einsatz kommen. Aus den geplanten zweimal wöchentlich vier bis fünf Stunden Betrieb sind mittlerweile während der Saison bis zu sieben Stunden an sechs Tagen der Woche geworden - was dann den Bau der derzeit weltgrößten Wurfmaschine (von 21m Höhe und rund 17to. Gesamtgewicht) bedingt hat. Diese läuft unterdessen während der Saison klaglos mit bis zu drei Schüssen pro Tag. Außerdem wurde im Winter 2018/19 die "Burgschmiede" eingerichtet. Die beiden großen Blasbälge haben im Fühjahr 2019 die Werkstätten von Nathanael verlassen und sind immer noch voll einsatzfähig, der Amboß wird wacker (und in der Saison nahezu täglich) in Anspruch genommen... Neben der Schmiede hat zudem der Brotbackofen Platz gefunden, als ob er seit Urzeiten schon da gewesen wäre. Leider wird er nicht oft eingeheizt, dem französischen Amtsschimmel seis geklagt. Der schattige Picknickplatz unter dem Akazien lädt zumal Familien dazu ein, den ganzen Tag auf dem Burghügel zu verbringen...
Für 2025 bereitet sich nun zusätzlich eine ganz neue Attraktion vor: Eine mittelalterliche Wohnstätte wird eröffnet! Der uralte Bau liegt ca. 60m vom oberen Burgeingang entfernt auf demselben Felssporn. Er wurde sachgemäß restauriert und bietet nun Erwachsenen einen bewegenden Einblick in das Alltagsleben (gehobenen Standards!) im Mittelalter - und Kinder erwartet zudem ein abenteuerlicher Parcours mit Schatzsuche. Ein Ferien-Hailait für Familien - die freilich, wenn sie alles Gebotene wirklich erleben wollen, einen vollen Tag für die Burg reservieren müssen!