Ein Wunder, das verwundert
Predigt für den 28. Januar 2007 in Bussnang (Thurgau, Schweiz)
Lesung : Jesaja 62, 1 - 5
Evangelium : Johannes 2, 1 - 11
In den Überlieferungen des Gottesvolkes treffen wir immer wieder auf das Bild von der Hochzeit und vom Ehepaar, wenn es darum geht, die Beziehung Gottes zu seinem Volk darzustellen. Gott ist der hingebungsvoll liebende Ehemann, der seine Frau umwirbt – auch wenn diese leider nicht immer Treue bewiesen hat... So spricht auch der Prophet in unserer heutigen Lesung von Jerusalem. Wir hören Jesaja 62, 1 – 5 :
Um Zions willen will ich nicht schweigen, und um Jerusalems willen will ich nicht innehalten, bis seine Gerechtigkeit aufgeht wie ein Glanz und sein Heil brenne wie eine Fackel, daß die Nationen sehen deine Gerechtigkeit und alle Könige deine Herrlichkeit: Du sollst mit einem neuen Namen genannt werden, welchen des HERRN Mund nennen wird. Und du wirst sein eine schöne Krone in der Hand des HERRN und ein königlicher Reif in der Hand deines Gottes. Man soll dich nicht mehr nennen "Verlassene" und dein Land nicht mehr "Einsam", sondern du sollst heißen "meine Lust" und dein Land "liebes Weib", denn der HERR hat Lust an dir, und dein Land hat einen liebenden Mann. Denn wie ein junger Mann eine Jungfrau freit, so wird dich dein Erbarmer freien, und wie sich ein Bräutigam freut über seine Braut, so wird sich dein Gott über dich freuen.
Das Evangelium, über das wir heute miteinander nachdenken wollen, ist das erste „Zeichen“, das erste Wunder Jesu im Johannesevangelium. Wir hören diese bemerkenswerte Geschichte aus Johannes 2, 1-11 :
Am dritten Tag war eine Hochzeit in Kana in Galiläa. Die Mutter Jesu war dort. Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen. Da ging der Wein aus. Sagt ihm die Mutter Jesu : Sie haben keinen Wein mehr.
Sagt Jesus zu ihr: Was mischst du dich ein, Frau. Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
Sagt die Mutter zu den Helfern: Was immer er euch sagt, das tut!
Da waren sechs tönerne Krüge für die Reinigung der Juden, jeder für ungefähr 120 Liter Wasser. Sagt ihnen Jesus: Schöpft die Krüge voll Wasser. Sie füllten sie bis zum Rand. Dann sagt er ihnen: Nun nehmt davon und bringts dem Tafelmeister. Und sie brachten es ihm. Als der Tafelmeister das Wasser kostete, das Wein geworden war – ohne zu wissen, woher es kam (die Helfer aber wussten es, denn sie hatten ja das Wasser geschöpft), ruft der Tafelmeister den Bräutigam und sagt zu ihm : Jeder stellt zuerst den guten Wein auf, und wenn sie beschwipst sind, den weniger guten. Du aber hast den guten Wein bis jetzt aufgespart.
Das war der Anfang der Zeichen, den Jesus in Kana in Galiläa setzte. Seine Herrlichkeit wurde wahrnehmbar – und seine Jünger glaubten an ihn.
Liebe Gemeinde,
ich hoffe sehr, daß diese Geschichte (die Sie ja sicher alle schon kennen) Sie stört. Denn es ist tatsächlich eine anstössige Geschichte. Sie kann Mühe machen (und zwar nicht nur Leuten, die sich dem Blauen Kreuz verschrieben haben). Jesus verwandelt Wasser in Wein. Und welche Menge! Jeder der sechs Wasserkrüge faßte 120 Liter. Mehr als 7 Hektoliter Wein. Unglaublich! Genug, ein ganzes Dorf krank zu machen. Ein Wunder also, das Fragen aufwirft. Und nun setzt Johannes ausgerechnet dieses Wunder an den Anfang des öffentlichen Wirkens Jesu. Das erste „Zeichen“! Was für ein Zeichen! Johannes will ganz offensichtlich unsere volle Aufmerksamkeit wecken. Für ihn geht es hier um ein Wunder, das sich von vielen anderen abhebt. Wir dürfen es auf keinen Fall zu schnell abtun. Johannes hat es nicht ohne Absicht zum Auftakt des messianischen Handelns Jesu gemacht.
Wir wollen ihm also heute unsere ganze Aufmerksamkeit zuwenden – und vor allem nicht zu rasch an unseren Fragen hängenbleiben. Denn wenn wir ehrlich sind, dann fragen wir, Frauen und Männer des 3. Jahrtausends, immer zuerst: „Wie ist das möglich?“ Wie hat Jesus das geschafft, Wasser in guten Wein zu verwandeln?
Sie werden es gemerkt haben: Diese Frage wird in unserem Evangelium nicht beantwortet. Sie liegt außerhalb von allem, was die Hochzeit von Kana uns vermitteln will. Johannes ist das „wie“ gleichgültig. Und wir verbauen uns den Zugang – nicht nur zu dem, was die Hochzeit von Kana uns vermitteln will, sondern zum Evangelium überhaupt, zu dieser gewaltigen Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod, wenn wir meinen, wir müßten uns mit solchen Fragen aufhalten (mit unseren Fragen!), die für die Menschen damals bedeutungslos waren. Den Jüngern Jesu, an die Johannes sein Evangelium gerichtet hat, ist anderes wichtig gewesen.
Jedenfalls war für Johannes der Bericht von der Hochzeit von Kana von ganz besonderer Bedeutung. Sonst hätte er ihn nicht an den Anfang des öffentlichen Wirkens Jesu gestellt. Er zeigt uns Jesus, wie er zum ersten Mal „erscheint“ (Sie wissen ja: Wir sind noch in der Zeit des Kirchenjahres, die „Epiphanias“ heisst – und „Epiphanie“, das heisst auf deutsch „Erscheinung“). Jesus erscheint - als allererstes in Galiläa. Im Land der Armen und der Ungebildeten. In einem winzig kleinen Dorf. Das wird von Johannes besonders hervorgehoben. Er betont (genau wie Markus, übrigens!) die Distanz, den Unterschied zwischen Jerusalem und Galiläa, zwischen der glanzvollen, heiligen Stadt und den Dörfern der Armen, zwischen Gross und Klein, zwischen der hohen Gelehrsamkeit der einen (die später Jesus verwerfen werden), und der Bescheidenheit der anderen, die Jesus erkennen, ihm vertrauen und ihm folgen.
Und nun erscheint Jesus in Kana in Galiläa. Und zwar bei einem Fest. Das ist nicht einfach eine historische Anekdote aus dem Leben Jesu. Das ist Evangelium. Und das heisst: Du begegnest auch heute noch Jesus zuerst und vor allem – mitten im Leben! In Festfreude und Ausgelassenheit. Genau dort, wo die Liebe alles bestimmt und überstrahlt, genau dort ist Jesus dabei und gegenwärtig.
Erinnern Sie sich noch daran, wie oft Jesus von der Hochzeit gesprochen hat und vom Bräutigam, und von der Braut, die für ihren Mann geschmückt ist? Es wäre interessant, einmal alle Stellen herauszuschreiben, in denen das Bild von der Hochzeit in der Bibel (und in der Verkündigung Jesu) vorkommt. Aber auch ohne eine solche Liste dürfte klar sein, dass es in unserem Bericht anderes zu entdecken gilt als einen kleinen Trick, mit dem Jesus Wasser in Wein verwandelt hat.
Wer sich nur ein kleines bisschen in diesen Bericht vertieft, kann nur staunen, mit welchem Geschick Johannes hier in wenigen Worten eine überraschende Fülle von biblischen Überlieferungen zusammenbündelt: Grund- und Kraftlinien des Wortes Gottes, die den Weg des Messias, des Christus schon immer vorgezeichnet haben, die laufen hier, im ersten Erscheinen Jesu, zusammen.
Wir wollen einige davon festhalten:
- Ich habe schon erwähnt : das erste „Erscheinen“, die erste Epiphanie des Mensch gewordenen Wortes Gottes geschieht dort, wo „Hohe Zeit“ ist: Da also, wo das Leben gefeiert wird, die Liebe, die Zukunft. Sie können's sich vielleicht von ferne vorstellen: Eine Dorfhochzeit, das war damals DAS Ereignis des Jahres (für die Dörfler!). Das liess sich keiner entgehen, da waren alle eingeladen, da kam man hin, notfalls mehr als einen Tagesmarsch weit. Und alle, alle kamen und freuten sich mit. Und das nicht nur einen Abend lang, sondern solange es irgend ging, manchmal wochenlang!
Und Jesus ist eingeladen. Und Jesus kommt zum Fest. Jesus kommt nicht, um eine lange Predigt zu halten. Jesus ist ganz einfach da. Jesus teilt die Freude. Weil – Sie wissen das sicher: Freude und Glück und Zukunftsgewissheit gehören zu den göttlichen Reichtümern des Lebens. Wieso göttlich? Weil sie das genaue Gegenteil von irdischen Reichtümern sind. Nehmen wir als Beispiel die Weihnachtsguetzli. Wenn wir die untereinander teilen, dann sind sie im Nu fort. Bei Freude und Glück und Zukunftsgewissheit - ist das genaue Gegenteil der Fall! Wenn wir die teilen, dann werden sie grösser, und mehr! Darum ist Jesus, die Mensch gewordene Liebe Gottes, dort, wo das Leben geliebt und gefeiert wird. Darum ist er mitten unter uns, wenn „Hohe Zeit“ ist, wenn nichts anderes mehr zählt und wichtig ist als das Leben und die Liebe und der gemeinsame Weg, der sich in die Zukunft öffnet.
Und dann geht ausgerechnet der WEIN aus. Bei einem Fest in einem bettelarmen Dorf hätte ja auch etwas anderes fehlen können. Aber wir werden gleich sehen, das ist für die Geschichte von zentraler Bedeutung!
Ja, und dann haben wir da das Gespräch Jesu mit seiner Mutter. Geradezu schockierend schroff reagiert Jesus auf das Ansinnen seiner Mutter, er könnte den Leuten vielleicht einen kleinen Dienst erweisen. Jesus sagt: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen“. Im Zusammenhang unseres kurzen Berichtes bleibt diese Bemerkung erst einmal rätselhaft.
Die Mutter lässt sich aber nicht aus der Reihe bringen. Sie gibt denen, die beim Fest als Helfer engagiert sind (!) einen Hinweis, der bis zum heutigen Tag gültig ist, für alle, die mit helfen, wenn das Fest des Lebens im Gange ist: Was immer er (Jesus!) euch sagt, das tut!
Ja, und dann die sechs Wasserkrüge. Wir dürfen vor allem nicht vergessen, daß es sich um Gefässe handelt, die für die Reinigung bestimmt sind. Reinigung, das ist bis heute eine ganz zentrale, besondere Sache in der jüdischen Tradition. Und wenn wir nun diesen Begriff mit seiner ganzen Bedeutsamkeit nehmen (denken wir nur an den Täufer Johannes und seine „Taufe zur Reinigung“!) - und mit Jesus zusammenbringen und mit seinem Leiden und Sterben für uns (vielleicht wissen Sie noch, wie der Hebräerbrief im 9. Kapitel genau dies auf zunächst einmal schockierende Weise zur Sprache bringt: Jesu Blut reinigt uns von allem, was uns je von Gottes Liebe trennen konnte!) - und wir haben unmittelbar vor uns den Kelch des neuen Bundes, den Wein, der das Blut, das heisst das Leben, das Da-Sein Jesu für uns ist!
Völlig klar, dass Jesus hier, in Kana, seiner Mutter sagen muß: Du weisst ja nicht, wovon du sprichst, wenn du sagst: „Den Leuten hier fehlt der Wein“!...
Kurz: Die Hochzeit von Kana hat's in sich! Das ist unendlich viel mehr als ein netter Schnappschuß von einem Dorffest, wie er uns in der Regionalzeitung begegnen mag. Wir ahnen, daß Johannes diesen Bericht nicht von ungefähr an den Anfang seines Evangeliums gestellt hat. Das erste Wunder, das erste messianische Zeichen Jesu bei Johannes, das ist gerade nicht die Heilung eines Kranken, das ist nicht der Kampf des Gottessohnes gegen die Macht des Bösen, die in der Welt am Werk ist.
Es hat seine tiefe Bedeutung, wenn Jesus ganz im Gegenteil mitten im Fest des Lebens zu finden ist. Jesus ist dabei, wenn Menschen an der Freude Freude haben! Jesus liebt es, wenn die Liebe geliebt wird! Jesus jubelt mit dir, wenn du die Herrlichkeit der Welt und die Schönheit der Schöpfung Gottes bejubelst. Jesus ist dabei, wenn du voll da bist in den herrlichen Augenblicken, die Gottes Gnade uns zu erleben beschert. Jesus kommt, unsere Freude vollkommen zu machen!
Das alles kann und will uns die Geschichte von der Hochzeit von Kana sagen. Aber glauben Sie nur nicht, damit wäre der ganze Reichtum dieser Erzählung schon ausgeschöpft. Die sechs Krüge sind noch lange nicht leer! Wenn wir noch etwas genauer hinschauen, dann kommt beispielsweise noch eine besondere Leitlinie zum Vorschein, die nachher wie ein roter Faden das ganze Evangelium durchzieht.
Sicher erinnern Sie sich daran, daß das Johannesevangelium mit dem berühmten Prolog beginnt: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott...“
Wir werden von Johannes unmittelbar an die erste Seite der Bibel erinnert: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde...“. Wer das Johannesevangelium einmal aufmerksam von vorne nach hinten durchliest, der kann eine ganz kuriose Entdeckung machen: Johannes sieht nämlich das Evangelium, die „Erscheinung“ Jesu Christi, ganz konkret eingegliedert in die Schöpfungs- und Heilsgeschichte Gottes mit seiner Schöpfung. Der Paukenschlag „Im Anfang war das Wort“ - das ist nicht einfach eine tolle Idee für den Predigt-Anfang. Das ist vielmehr die erste Station auf einem Weg, der vom ersten Schöpfungstag bis zum letzten geht (und der letzte, das ist im Johannesevangelium der achte Tag, der Tag der Auferstehung, der Ostermorgen!)
Der erste Tag ist der vom Anfang. Das heißt, vom Licht. Jesus bringt es in die Welt.
Der zweite Tag ist der von Raum und Welt. Jesus beginnt seinen Christus-Weg in der Welt. Als erster erkennt ihn Johannes der Täufer. Dann findet er seine ersten Jünger.
Und dann kommt der dritte Tag. ("Am dritten Tag war eine Hochzeit..."). Der dritte Schöpfungstag ist der von der Grundbedingung irdischen Lebens: Gott gibt seiner Schöpfung den Auftrag, selber schöpferisch zu werden: „Die Erde lasse aufgehen Gras und Kraut...“. Die spezifisch menschliche Weise, im Sinne dieses Schöpfungsauftrags schöpferisch zu werden, ist „Hoch-Zeit“ im eigentlichen, tiefen Sinn des Wortes: Freude teilen, Liebe leben, Zukunft ins Auge fassen, erfülltes Leben miteinander gestalten. Darum: heute noch, wenn Juden Hochzeit feiern, dann feiern sie nicht am Samstag, wie wir, sondern am Dienstag, am dritten Tag, wie in Kana: Der Segen für das glückliche Paar wird ganz bewußt unter den Segen Gottes für die Kreativität seiner Schöpfung gestellt. Und genau dahin gehört auch die Hochzeit von Kana!
Sie sehen: Jesus, die Liebe Gottes, die in unserer Welt Menschenwirklichkeit geworden ist, ist der Urgrund, die Wirk-lichkeit aller Lebensfreude, allen Glücks.
Allerdings, höchst verwunderlich: Unser Bericht sagt kein Wort von den Hauptpersonen der Hochzeit. Denken Sie an eine Hochzeit, die sie selbst miterlebt haben - oder vielleicht an eine, bei der Sie zu den Helfern zählten, die im Hintergrund das Fest oraginsiert haben, oder denken Sie an die Kinder, die das große Ereignis noch tagelang im Kindergarten nachspielen: Das wichtigste ist doch die Braut, die für ihren Bräutigam geschmückt ist! Na ja, auch die vielen Gäste gehören dazu, die da sind, um sich mit zu freuen, um Glück zu wünschen. Und dann Musik und Tanz, und Speis und Trank, und die Lampions, die die Nacht hell machen...
All das ist hier weggelassen. Der Scheinwerfer der Aufmerksamkeit richtet sich allein auf ein Geschehen am Rande, das wohl kaum jemand sonst bemerkt hat.
Wir werden Zeugen dieses mehr als eigenartigen Gesprächs zwischen Mutter und Sohn. Die Mutter: „Sie haben keinen Wein mehr.“
Und Jesus: „Was mischst du dich ein, Frau. Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Das klingt schroff und ablehnend, fast feindselig.
Erst später kann sichtbar werden, was Jesus gemeint hat. „Später“ - das kommt genau in der Mitte des Johannesevangeliums. Mehrfach betont Johannes im Lauf des Evangeliums, daß Jesu Stunde noch nicht gekommen ist. Und dann, im Augenblick seiner Abschiedsrede, sagt Jesus seinen Jüngern: „Nun ist meine Stunde gekommen“. Und diese Stunde – es stockt dir der Atem! - ist die Stunde der Passion, die Stunde des Leidens! Jesus redet von seiner „Erhöhung“, und die Erhöhung Jesu - das ist die Erhöhung ans Kreuz!
Wenn Jesus bei der Hochzeit von Kana Wasser in Wein verwandelt, um das Fest des Lebens und der Liebe möglich zu machen, dann wird dies zu einem höchst eindrücklichen Bild für sein ganzes Leben: Er gibt sich, sein Blut, sein Leben, weil er uns zum wahren, echten, erfüllten Leben verhelfen will!
Und wenn es ausgerechnet WEIN ist, in dem das erfahrbar wird, dann darum, weil bis heute und morgen Gott in Jesus zum Emmanuel, zum Gott mit uns und für uns geworden ist und es immer neu wieder werden wird, um das Wasser unseres Alltags Tag für Tag in Wein zu verwandeln, in Freude und Erfüllung und Heil!
Ein russisches Sprichwort sagt: „Mit einem Freund trank ich Wasser. Es schmeckte wie Wein!“ Ein Gedanke, der uns in die Nähe der Hochzeit von Kana bringt – und der uns noch weiter führen kann.
Denn in der geschwisterlichen Gemeinschaft, in der wir als Christen in der Gemeinde unterwegs sind, werden wir ermutigt und gestützt, getragen und beschwingt, so, dass sogar schwierige Wegstrecken unseres Lebens zu Augenblicken besonderer Nähe, besonderen Segens Gottes werden können. Dass wir also bloss nicht die Augen schließen, wenn alles danach aussieht, als sei uns der Wein von Freude und Lebensglück ausgegangen. Rechnen Sie fest mit Dem, der sein Leben hingegeben hat, damit wir leben sollen – und es kann geschehen, dass sogar Augenblicke von Leid und Lebensdunkelheit zu Momenten werden, in denen die Gegenwart des Geistes Gottes in ganz besonderer Weise spürbar wird. So kann in der Tat das Wasser des trübsten Alltags (gegen alle Erwartung und alle Hoffnungslosigkeit) nach jenem Wein schmecken, der Glaube, Hoffnung und Liebe heißt.
Und schließlich erinnert die Hochzeit von Kana natürlich auch an das Abendmahl, zu dem wir immer neu eingeladen sind. Wir teilen das Brot und den Segensbecher um „zu schmecken, wie freundlich unser Herr ist“: unser himmlischer Vater, durch den wir Geschwister sind. Mit anderen Worten: Jedes Mal, wenn wir zum Abendmahl zusammen sind, wiederholt sich das Weinwunder von Kana: Wir haben Teil am Kelch des Neuen Bundes, und indem wir ihn teilen, wird Wasser zu Wein, werden wir dem Leib Christi eingeleibt, werden wir seine lebendigen Glieder, die, von seinem Blut durchströmt und belebt, seinen Willen tun. Natürlich kann man manchmal meinen, die Gemeinschaft von uns Christen, die auf dem Sakrament seines neuen Bundes gründet, sei nichts Besonderes (oder zu wenig Besonderes...). Und doch ist diese Gemeinschaft, die Kirche Christi auf Erden, bewegt und belebt vom Geist Gottes, dem Geist der Liebe und des Friedens, von dem Geist, der Wasser in Wein verwandelt und Dunkelheit in Licht, der in der Tiefe von Leid und Schmerz Vertrauen erwachen läßt, und die Hoffnung, die Leben möglich macht und mit Gottes Gegenwart rechnet, bis er kommt in Herrlichkeit. Amen.
Herr unser Gott, du begegnest uns nicht zuerst an den Grenzen des Lebens, in Sorgen und Leid, wo so viele erst wieder an dich denken und zu dir zurückkehren im Gebet.
Du kommst zu uns in der Freude, in der Liebe, in der Erfüllung, dort, wo wir das Leben feiern und geniessen, wo wir die Schönheit deiner Schöpfung bejubeln, wo wir dankbar sind für alle deine Gnadengaben. Du willst unsere Freude vollkommen machen.
Darum bitten wir dich: Lass es nicht zu, daß wir dich vergessen in Glück und Freude und Erfüllung. Lass nicht zu, dass wir die Zeichen deiner Liebe verkennen, dass wir die Wirklichkeit deiner Gnade in unserem Alltag übersehen.
Wir danken dir, dass du uns deinen Sohn geschenkt hast, der uns nahe ist überall dort, wo Leben gelingt – und der es möglich macht, dass das Leben lebenswert ist und bleibt, sogar dort, Schatten sind und Leid.
Du weisst, Herr, wieviel Not und Dunkelheit unser Herz berührt.
Wir bringen alles vor dich – damit es uns nicht erdrückt. Tröste du selbst die Traurigen und stütze die Schwachen, begleite die Einsamen und hilf all denen auf, die dich um die Kraft deines Geistes bitten. Lass kommen dein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit, wie du es verheissen hast.