Gottesliebe oder Nächstenliebe?

Predigt für Sonntag, den 23. Oktober 2005 in Lagorce
Lesungen : Exodus  22, 20-26 ;  1 Thess 1, 5-10
Evangelium:  Matthäus  22,  34-40
Lieder: Arc-en-Ciel  47, 1-2-3 ; 249, 1-2-3 ; 253, 1-2-3
Spontane Antwortverse: (AEC) 118, 1 ; 428, 4 ; 475, 2 ; 81, 8 ; 138, 2

(Der Gottesdienst wurde französisch gehalten; die Predigt lag schriftlich auf deutsch vor)


Die erste heutige Lesung stammt aus den Geboten, die dem Gottesvolk erteilt wurden. Bewegende Einzelheit: Das sind nicht nur Leitlinien für das soziale Miteinander. Wir haben es mit einer geistlichen Unterweisung zu tun! Der Fremde, dem du begegnest, soll dich an deine eigene Geschichte erinnern. Du bist selbst Fremder gewesen. Und Gott stellt sich selbst dem Schwachen zur Seite. er ergreift die Partei des Wehrlosen. Wer sich am Hilflosen vergreift, handelt damit gegen Gott selber. Wir hören aus Exodus 22 die Verse 20 bis 26:
Fremdlinge sollst du nicht bedrängen noch bedrücken;
    denn auch ihr seid Fremdlinge in Ägyptenland gewesen.
Ihr sollt Witwen und Waisen nicht bedrücken.
Wirst du sie bedrücken und werden sie zu mir schreien, so werde ich ihr Schreien erhören.
Dann wird mein Zorn entbrennen, dass ich euch mit dem Schwert töte und eure Frauen zu Witwen und eure Kinder zu Waisen werden.
Wenn du Geld verleihst an einen aus meinem Volk, an einen Armen neben dir, so sollst du an ihm nicht wie ein Wucherer handeln; du sollst keinerlei Zinsen von ihm nehmen.
Wenn du den Mantel deines Nächsten zum Pfande nimmst,     sollst du ihn wiedergeben, ehe die Sonne untergeht, denn sein Mantel ist die einzige Decke für seinen Leib; worin soll er sonst schlafen? Wird er aber zu mir schreien, so werde ich ihn erhören; denn ich bin gnädig.

In der zweiten heutigen Lesung spricht der Apostel Paulus von der Aufnahme, die er unter den Christen von Saloniki gefunden hat. Wir hören aus dem Anfangskapitel des ersten Thessalonicherbriefs die Verse 5-10:
Usere Predigt des Evangeliums kam zu euch nicht allein im Wort, sondern auch in Vollmacht und im heiligen Geist und in grosser Gewissheit. Ihr wisst ja, wie es uns unter euch ergangen ist, euch zugut. Und ihr seid unserm Beispiel gefolgt und dem des Herrn und habt das Wort aufgenommen, trotz grosser Bedrängnis, mit Freude im heiligen Geist, so dass ihr ein Vorbild geworden seid für alle Gläubigen in Mazedonien und Achaja.
Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen, nicht allein in Mazedonien und Achaja, sondern an allen Orten ist euer Glaube an Gott bekannt geworden, so dass wir nicht nötig haben, etwas darüber zu sagen.
Denn alle berichten sie von uns, welchen Eingang wir bei euch gefunden haben und wie ihr euch bekehrt habt zu Gott von den Abgöttern, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und auf seinen Sohn vom Himmel zu warten, den er auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns von dem zukünftigen Zorn errettet.


Das Evangelium von heute stellt uns eine Unterweisung Jesu aus den letzten Tagen seines Lebens vor. Wir hören Matthäus 22, die Verse 34-40:
Als die Pharisäer hörten, dass Jesus den Sadduzäern das Maul gestopft hatte, versammelten sie sich. Und einer von ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte ihn und fragte: Meister, welches ist das höchste Gebot im Gesetz?
Jesus aber antwortete ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«. Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

Liebe Freunde,
ein grosser Rabbiner liebte Gott mit so gewaltiger Liebe, dass er allezeit sagte « Du, Du, Du ». Gott war nicht nur seine ganz grosse Liebe. Er war in Gott zu Hause. er wusste sich umgeben, erfüllt von Gott, und das nicht nur in Augenblicken der Mediation oder des Gebets, sondern auch, wenn er Leuten begegnete. Ständig murmelte er sein « Du, Du, Du ». 
Dieser Rabbi, er hieß Levi Jizchak, war keineswegs ein Träumer oder Einsiedler. Er lebte alles andere als weltenthoben. Es war ein außerordentlich dynamischer, aktiver Mann, voller Tatkraft. Er war der Rabbiner einer sehr grossen jüdischen Gemeinde, er war der Gründer und Leiter einer bedeutenden geistlichen Bewegung und empfing täglich ungezählte Menschen, die sich ihm mit ihren Fragen und Problemen anvertrauten.
Seine Liebe zu Gott aber war das, was ihn am stärksten prägte und bewegte. Er hatte Gott vor Augen und im Herzen, er sprach permanent von ihm und zu ihm, in allen Gemütslagen und Lebenssituationen.
« Liebe Gottes »: für Levi Jizchak war das unendlich viel mehr als ein vages Gefühl, eine Idee. Gott war für ihn, was für den Fisch das Wasser ist. Er lebte in Gott. Nie in seinem ganzen Leben war ihm Gott fern. Er konnte ihn buchstäblich nicht vergessen. Gott war für ihn wie für uns die Luft, der wir das Leben verdanken. er atmete in Gott. Er « klebte » an Gott, wie er selber zu sagen pflegte. Er konnte keine Sekunde ohne Gott sein.
Bei Rabbi Levi Jizchak und bei anderen Juden, in der Schweiz und hier, habe ich eine elementare Liebe zu Gott erlebt, wie ich sie zuvor, unter Christen, nie gekannt habe.
Gott ist für diese frommen Juden niemals nur ein « frommer Vorwand », oder eine « Idee » oder eine « Ideologie », ein philosophischer oder religiöser « Hintergrund », den man leicht auch anders benennen oder verstehen könnte. Dieser zutiefst geliebte Gott ist DAS große « DU », das Gegenüber, das geliebte Du, das alles Tun und Lassen prägt und bewegt und ausrichtet, das jeden Augenblick des Lebens bestimmt – so wie das zum Beispiel bei einer Liebesbeziehung unter Menschen der Fall ist.
Um es den Älteren unter uns in Erinnerung zu bringen: Menschen, die sich lieben, sind von dieser Liebe wirklich völlig durchdrungen. Sie denken aneinander, Tag und Nacht. Sie träumen sogar einer vom andern. Und genauso erging es Levi Jzchak mit Gott.
Und wie ergeht es Euch, liebe Freunde, mit dieser Liebe zu Gott, wie Juden sie zu leben fähig sind?
Wir dürfen ja nicht vergessen, daß Jesus, ein Sohn des jüdischen Volkes, ebenfalls diese Liebe Gottes gelebt hat. Sein ganzes Leben hindurch hat ihn diese Liebe erfüllt – bis zu seinem grauenhaften Tod am Kreuz, der uns den Atem stocken lässt ...
Jesus und sein Volk atmen und Gott, leben in Gott – und zwar bis zum heutigen Tag.
Jesus sagte einmal von sich selber, er sei « im Vater » - und fügte hinzu, und der Vater sei zugleich « in ihm ». Nehmt diesen Ausdruck bitte einmal nicht symbolisch oder 'übertragen', sondern versteht ihn wortwörtlich und konkret, als eine Beschreibung dessen, was seine Existenz ausmacht. Jesus sagt damit, dass er will, dass wir Christen alle ebenso leben, ebenso wie unsere älteren Geschwister im Glauben, die Juden, die im Augenblick übrigens ganz besonders unsere Fürbitte nötig haben...
Liebe Gottes also. Diese Lebenswirklichkeit hat ganz entscheidend das Dasein von Abraham, Isaak und Jakob bestimmt. Und in sie hinein will uns Jesus begleiten. Er will jedes einzelne von uns in eine Dynamik der Liebe hineinbringen, die aus der Liebe jenes Gottes gespeist wird, der leidenschaftliche Liebe ist und sein Volk dazu bringen will, dass es in seine leidenschaftliche Liebe hinein verwandelt wird.
Es dürfte selbstverständlich sein, daß eine solche leidenschaftliche Liebe nicht nur dazu führt, leidenschaftlich « Ja » zu sagen. Sie kann auch zu einem ebenso leidenschaftlichen « Nein! » führen. Dieses leidenschaftliche Gottesvolk heißt nicht von ungefähr « Israel », also: Gottesstreiter!
Die leidenschaftliche Liebe, die Gott und sein Volk miteinander verbindet, ist ein Streit, ein Kampf, ein unerhört dynamisches Unterwegssein, das von Leidenschaft erfüllt ist, und zwar in der Freude wie im Schmerz.
Ihr müßt das ganz konkret hören: Dieser Streit mit Gott ist eine Leiden-Schaft im tiefstmöglichen Sinne des Wortes. Es gibt da durchaus auch Schmerz, und zwar auf beiden Seiten, auf Seiten der Menschen, aber auch im Herzen Gottes!
Und Jesus hat selbst diese Liebesgeschichte gelebt, diese Leidenschaft. Die Liebe zu Gott war DAS große Ereignis seines Lebens. Jesus hat es erfahren und durchlebt, seinen ganzen Messiasweg hindurch, bis in die Passion, bis in das Leiden am Kreuz – und bis in die Auferstehung...
Wie aber ist das mit uns, mit unserem christlichen Glauben? In unserer reformierten Nüchternheit setzen wir in aller Regel andere Prioritäten. Wenn wir von Jesus reden, dann nennen wir in erster Linie die Treue Jesu, seinen Gehorsam, seinen Glauben, seine Aufopferung – und vergessen allzu leicht seine Liebe!
Darum möchte ich im Hinhören auf das Evangelium von heute einen ganz besonderen Akzent auf die Liebe zu Gott legen. Das ist das erste, das höchste Gebot. Und wir wollen doch Jesu Jünger sein. Wir wollen ihm gerne folgen - aber sind wir, als die gut reformierten Christen, die wir sind, denn auch bereit, ihm in seiner Liebe zu seinem Vater zu folgen, in seine Liebe zu Gott, die so klar und unzweifelhaft und untrennbar mit seiner jüdischen Kultur verbunden ist?
Jeder von uns hat schon von « christlicher Liebe » gehört. Und wir verstehen darunter ganz selbstverständlich die Liebe zum Nächsten.
Könnte es aber nicht sein, daß die Nächstenliebe für uns vielleicht an die Stelle der Liebe zu Gott tritt – weil die uns unheimlich ist, viel zu leidenschaftlich, viel zu jüdisch, viel zu abenteuerlich?
Natürlich wollen wir unseren Herrn Jesus, unseren Bruder und Meister, unseren Herrn – aber: wollen wir auch diesen himmlischen Vater, von dem uns Jesus sagt, er selber sei der Weg, um zu ihm zu gelangen?

Der Vater, das ist der Gott Israels, das ist dieser himmlische Vater, der leidenschaftlich liebt, das ist der, der mit uns rechnet, weil er uns leidenschaftlich liebt!
Wollt Ihr wirklich mit Abaraham im Himmelreich an einem Tisch sitzen, wollt Ihr wirklich mit diesem Gottesvolk verbunden leben? Mit diesem Volk, mit dem – im Augenblick – niemand seinen Platz in der Menschheitsgeschichte teilen will?
Wollt Ihr wirklich in einer solch unauflöslichen Einheit mit Jesus und mit der Nachkommenschaft Abrahams leben? Seid Ihr, sind wir fähig und bereit, diesen Preis zu zahlen?
Es kann sehr gut sein, dass uns etwas fehlt, um das zu verwirklichen. Und was uns da fehlt – das ist die Liebe.
Rabbi Levi Jizchak verwirklichte in seinem Alltag, was mir allerhöchstens in meiner Ehe zu verwirklichen gelingt.
Er badete nicht nur in der Gegenwart seines Gottes. Er war in jeder Hinsicht an ihn ge- und mit ihm verbunden, also auch in den Konkflikten und den Problemen, in den Fragen und Dunkelheiten. So geschah es ihm sogar, dass er mit Gott Streit bekam. Er konnte Gott leidenschaftlich anklagen. Es passierte ihm, dass er vor Gott Recht einklagte, im Hinblick auf die Leiden seines geliebten Volkes.
Man erzählt von ihm eine Geschichte, die uns den Atem stocken lässt. An einem Jom Kippur, dem grossen Tag der Sündenvergebung (dem höchsten Feiertag in der jüdischen Tradition, den die Juden vor wenigen Tagen erst gefeiert haben), sah sich Levi Jizchak ausserstande, den Gottesdienst zu beginnen. Alle waren in der Synagoge versammelt. Er stand am Betpult. Aber er begann nicht mit dem Gottesdienst. Er sagte kein Wort. Alles wartete. Schweigen. Viertelstunden zogen sich hin, Stunden vergingen. Man fing an zu flüstern, man rührte ihn an, man stiess ihn. Rabbi Jizchak blieb an seinem Betpult, reglos, schweigend. Wie eine Salszsäule stand er da. Die Nacht brach herein (und damit das Ende des Feiertages!), man bat ihn, endlich den Gottesdienst zu beginnen, den grössten, den feierlichsten, den wichtigsten Gottesdienst des ganzes Jahres. Da kehrte sich Levi Jizchak zur Gemeinde um und sagte mit zitternder Stimme: Tut mir leid, Brüder. Ich kann nicht, Ich, Levi Jizchak, Sohn der Sara von Berditschew, ich habe Streit mit Gott. Ich verlange von ihm eine Erklärung, wegen der Leiden meines Volkes. Ich kann nicht mehr. Und ich will nicht mehr. Ich rühre mich nicht vom Fleck: Jetzt ist es genug. Fertig! Wie kommen wir dazu, Gott um Vergebung unserer Sünden zu bitten, solange er uns nicht um Verzeihung bittet für unsere Leiden! Erst soll sich Gott mit uns versöhnen, bevor er von uns verlangt, wir sollten uns mit ihm versöhnen!
Liebe Freunde: könnt Ihr Euch so etwas in einem reformierten Gottesdienst vorstellen? Ja, und wie sollen wir dann diese so jüdische Liebe Gottes annehmen und verstehen, wie sollen wir damit zu leben versuchen?
Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, mit solchen Worten, in einer solchen Haltung vor Gott zu treten. Und ich weiß: auch die meisten Juden, die ich kenne,werden sich nicht vorstellen können, in einer solchen Weise zu beten.
Trotzdem: Hört Euch diese Worte, diese Geschichte vom Streit von Levi Jizchak und dem Streit mit seinem Gott gut an. Ihr werdet plötzlich im Hintergrund andere Worte, andere Geschichten anklingen hören. Zum Beispiel die von Abraham, der mit Gott um das Geschick von Sodom marktet. Abraham erlaubt sich, Gott entgegenzuschleudern: « Das darf doch nicht wahr sein ! Du bist der Richter der Welt – und der schert sich keinen Deut um sein eigenes Recht! »
Der Gottesstreit von Rabbi Jizchak könnte in uns auch Jesu Wort am Kreuz anklingen lassen: « Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? »
Liebe Freunde, wie können wir mit einer solchen jüdischen Liebe Gottes leben? Anders gesagt: Wie kann diese jüdische Liebe Gottes in uns lebendig sein? Viel zu schnell sind wir bereit, uns mit unserer Nächstenliebe zufrieden zu geben...
Klar, bei der Begegnung mit einer so gefährlichen, so totalen Gottesliebe, die deine ganze Existenz zu erfassen droht, bist du schnell drauf und dran, zu versuchen, sicheren Boden unter die Füße zu kriegen, beispielsweise mit dem so gern zitierten Wort « Wer Gott lieben will, der liebe seinen Nächsten. » Das ist sehr biblisch – und wir haben ja im Evangelium von heute gehört, daß Jesus die Nächstenliebe mit der Gottesliebe auf eine Stufe stellt. Warum sich dann also auf eine Gottesliebe einlassen, die eine unkontrolierbare Dynamik zu entfesseln droht? Könnte die uns nicht in einem Masse in Leidenschaft bringen, dass alle unsere Sicherheiten erschüttert werden? Könnte sie nicht unsere Bequemlichkeit in Frage stellen ? Uns auf unbekannte, abenteuerliche Wege schicken?
Freilich bleibt die ernste Frage, ob unsere Nächstenliebe (und alle Aktivitäten, die damit zusammenhängen) wirklich mit unserer Gottesliebe auf gleichem Niveau liegt.
Leider ist es durchaus möglich, dass wir uns mit unserem Nächsten befassen – im Grunde nur, um uns vor dieser Gottesliebe in Schutz zu bringen, die so gefährlich und so schwer in Schach zu halten ist – und gar nicht so sehr aus wirklicher Liebe...
Könnte es sein, daß unsere grosse « Sorge um unseren Nächsten » nichts weiter wäre als der Vorwand, ein Schutz, um uns vor der Gottesliebe zu bewahren?  Vor der Liebe zu diesem Gott Israels, der uns viel zu fremd scheint, als dass wir ihn annehmen könnten. Genauso übrigens, wie wir leider ebenso weit davon entfernt sind, Israel anzunehmen. Es ist doch wahr: Israel , sein Volk, wollen wir auch nicht... Wer weiss, ob nicht der Jahrhunderte alte Antisemitismus darin seine Wurzeln hat, dass wir, sein Volk, Gott nicht haben wollen – und vor allem nicht den Gott der Juden... Wir, wir kümmern uns um unseren Nächsten. Ist das nicht der einzig richtige Gottesdienst, den wir dem Ewigen zuliebe tun können? Allerdings, wenn wir so ganz unserem Nächsten zugewandt sind: Wer kümmert sich dann um Gott? Um den Gott Israels, Jakobs? Um den Vater Jesu Christi? Ihm allein gebührt der erste Platz. Ihm allein alle Ehre – und unsere Liebe. Unsere Treue, unser reformierter Christenglaube, ist einfacher, ist billiger nicht zu haben. Amen.

    Es ist wahr, Herr unser Gott: Du hast uns zuerst geliebt.
    Aber du kennst unser Herz, und du weisst: wir sind unfähig zu lieben -
wenn du uns nicht zu Hilfe kommst, wenn du uns nicht die Augen des Glaubens öffnest. Sei du mit uns, damit unsere Augen aufgetan werden,
damit wir uns in Dich versenken können mit unserer wirklich existentiellen, lebendigen Liebe, die dich sucht und findet – in jedem Augenblick unseres Alltags. Schenke es, daß uns unser Herz übergeht von diesem unerschöpflichen Glück, zu lieben – und sich geliebt zu wissen...
Wir bitten dich heute ganz besonders für alle, die mit so grauenaft leerem Herzen leben, weil sie ohne Liebe sind.
Sie haben sich entfernt von jener unerschöpflichen Lebenskraft, die von dir ausgeht und die in unserem Herzen Zuversicht erweckt und das Vertrauen, dass du uns immer zur Seite sein wirst.
Öffne die Herzen, die sich verschlossen haben, vielleicht in der Folge von schlechten Erfahrungen, die sie machen mußten.
Fache es neu an, das Feuer der Liebe, in denen, die müde geworden sind – vielleicht sogar durch Erwartungen und Bitten, durch Gebete, auf die du nicht antworten konntest – um der Liebe willen.
Und wir bitten dich für alle, die leiden, die sich verlassen und vergessen und verloren fühlen, denen jeglicher Weggenosse fehlt.
Mache die Herzen leicht, die müde geworden sind, schenke Verständnis denen, die sich verloren fühlen,
Und lass dein Licht hineinleuchten in die Dunkelheiten, die so oft für unsere Augen undurchdringbar sind.

Und wir bitten dich für Israel, dein geliebtes Bundesvolk:
Schenke ihm den Frieden, auf den es wartet nach deiner Verheissung,
damit Zeichen des Friedens und der Versöhnung
von diesem Land und Volk ausgehen, das dir besonders kostbar ist,
überallhin auf die Erde.